Der Atem widerspiegelt nicht nur den aktuellen Zustand des Körpers, sondern auch das mentale Befinden. So atmen wir in einer stressigen Situation beispielsweise schnell und flach, bei Entspannung dagegen langsam und tief. Diesen Zusammenhang zwischen Atem und Psyche nutzt die Atemtherapie. Über bewusstes Atmen schult sie so die Wahrnehmung innerer Empfindungen.
Die Atmung eines Menschen ist wie ein Herzschlag, den man von außen hören kann. Herz und Lunge sind die zentralen Organe im Brustraum, der Begriff der „Herz-Lungen-Wiederbelebung“ verdeutlicht, dass beide elementar für Sein oder Nicht-Sein eines Menschen sind.
Während das Herz ab der 8. SSW unermüdlich schlägt, findet zum Zeitpunkt der Geburt im Hinblick auf die Atmung ein grundlegender Wechsel statt: Anstelle der Nabelschnur ist nun die Lungenatmung unser Fenster zur Welt und umgekehrt. Sie ist eine Verbindung zu unserem zentralen und vegetativen Nervensystem. Wenn wir „sauer“ sind, reguliert sie unseren pH-Wert, indem sie vermehrt Säuren abatmet. Dass Atmung und Herzschlag aus der Balance geraten können (Dyspnoe, Globusgefühl, Lampenfieber, Herzrasen, Extrasystolie etc.), ist hinlänglich bekannt. Weniger präsent ist, dass ein solches Ungleichgewicht durch bewusste Veränderung der Atmung auch wieder ins Lot gebracht werden kann.